Zen


Ordinary Mind Zen

Wenn wir uns in Stille auf ein Kissen setzen, so als ob wir in einen Spiegel schauen und mutig einfach beobachten, was immer geschieht, können wir nichts falsch machen. Der Spiegel macht die ganze Arbeit. Alles was von uns gefragt ist: hinschauen und bleiben. Wir sitzen mit Ebbe und Flut unseres Selbst, mit ganzem Herzen bei allem, was uns das Kaleidoskop der Realität präsentiert: der Klang eines Vogels, die Sirene eines Polizeiautos, Gefühle von Scham und Stolz, chaotischer Geist, friedlicher Geist, faszinierende Ideen und Langeweile… Auch wenn es uns bei einigen dieser Dinge schwerer als bei anderen fällt, sie anzuerkennen und mit ihnen zu sein, so ist doch jedes von ihnen einfach nur genau das, was es ist: Es entsteht und vergeht von Augenblick zu Augenblick, Atemzug für Atemzug. Wir versuchen nicht, eine dieser Erfahrungen loszuwerden oder besondere Geisteszustände zu schaffen. Unsere Praxis ist es, einfach mit dem zu sein, was ist.

Durch den Prozess, alles zuzulassen, die Dinge zu akzeptieren, die wir als gut oder schlecht beurteilen, wird die einfache und tiefgründige Praxis des Zazen zum Herzstück unserer Übung, zum Herzstück, wie wir uns in Mitgefühl für unsere Erfahrung und für andere öffnen.

 

Ordinary Mind Zen wurde von Charlotte Joko Beck gegründet. Ihre Vision ist eine psychologisch geprägte Zen-Praxis, die an die Bedürfnisse von Menschen angepasst ist, die im Kontext ihres täglichen Lebens praktizieren. 

Joko Beck und ihre Dharma Erben wie Barry Magid sahen bei sich und ihren Studenten, wie trotz besonderer Erfahrungen während des Zazen, vielfach die ganz normal-menschlichen Bedürnisse „spirituell“ umgangen oder weg-erklärt werden können. So entstand mit der Zeit ein erweitertes Verständnis von Zen, in dem Zazen formell und mit aller Hingabe praktiziert wird, dabei emotionale, psychologische Themen Raum haben, anerkannt und gehalten zu werden. 

Ordinary Mind versucht respektvoll Zen weiterzuentwickeln, so dass der Dharma inmitten des Laienlebens vollständig praktiziert, verwirklicht und weitergegeben werden kann.

 

Ordinary Mind Zen ist - wenn auch im Alltag praktiziert - eine religiöse Praxis, die in der größeren soto-buddhistischen Tradition des Shikantaza, des einfachen Sitzens, verankert ist. 

Nach Eihei Dogen ist Zazen keine Meditationstechnik, kein Mittel zum Zweck der Erleuchtung, des Glücks oder irgendeiner Form der Selbstverbesserung, sondern selbst der volle Ausdruck dessen, was wir sind, als Menschen und als Buddhas in einer Welt der Unbeständigkeit und Verbundenheit.

 


"Wenn wir zum ersten Mal ein Zendo betreten und die Stille der dort Meditierenden betrachten, stellen wir uns wahrscheinlich vor, dass sie alle einen Zustand kompletter innerer Versenkung erreicht haben. Doch spätestens wenn wir uns selbst hinsetzen realisieren wir sehr schnell, dass dies nicht automatisch zusammengehört. Im Gegenteil, dadurch, dass unsere Körper still werden, entsteht Schritt für Schritt ein Gefäss, in dem unsere aufgeregten Gedanken und Gefühle zu Tage treten. Möglicherweise beruhigen sie sich oder sie brodeln weiter und drehen sich heftig - durchaus für eine ziemlich lange Zeit. Was auch immer innen drin los ist, wir sitzen ganz einfach und atmen.

Es ist eigentlich wirklich einfach - aber es ist gar nicht so einfach für uns, es einfach zu halten oder es einfach sein zu lassen. Wir machen es dadurch kompliziert, indem wir uns mit dem Inhalt unserer Gedanken beschäftigen anstatt den Gedanken einfach zu erlauben, so wie Wolken am Himmel durch unseren Geist hindurch zu ziehen....."

 

(aus dem Buch: Das Ende der Suche nach Glück, Barry Magid)